Lengenfelder Persönlichkeiten
Lambert Rummel
(1877-1961)
Natur- und Heimatforscher
Am 7. Juni 1877 wurde Lambert Rummel in Worbis geboren.
Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er das Bäckerhandwerk.
Sein Lebensweg brachte ihn über verschiedene Wohnstätten im Jahre 1910 nach Lengenfeld unterm Stein, wo er als Bäckermeister seine zweite Heimat fand.
Der Wissenschaft ist Herr Lambert Rummel durch seine naturwissenschaftliche Arbeit, besonders auf dem Gebiet der Entomologie, bekannt geworden. Das erforderliche Wissen hat er sich als Autodidakt erworben. Seine Forschertätigkeit begann er mit der Beobachtung heimischer Insekten und wurde fortgesetzt durch die Aufstellung biologischer Sammlungen. Gleichzeitig bemühte er sich um die Züchtung neuer Schmetterlingsformen durch Ausschluss der freien Zuchtwahl und durch Auslese. Als Versuchsobjekt wählte er einen Buchenspinner, den Nagelfleck (Aglia-tau), aus. Nach fünfjähriger sorgfältiger Auslese erzielte er eine Änderung der Farbe von rotgelb bis zum totalen schwarz. Diese Umformung erwies sich als eine erbliche Mutation. Sie hat damals in der Fachwelt großes Aufsehen erregt und wurde anerkannt. Die neue Form des Nagelfleck wurde nach Rummel benannt und erhielt die Bezeichnung: "Aglia (extrema) tau extrema Rummel".
Während seiner langjährigen Forschertätigkeit hat Herr Rummel umfangreiche entomologische und biologische Sammlungen zusammengestellt, auch Dioramen, die besonders den Schulen als Anschauungsmaterial dienen. Zum Beweis sollen folgende Empfänger aufgezählt werden:
- Heimatmuseum in Heiligenstadt
- POS Lengenfeld unterm Stein
- POS Worbis
- FDGB Ferienheim Bischofstein
- Das Philetische Museum der Universität Jena 1957
Herr Rummel war nicht nur experimentell als Forscher, sondern auch literarisch tätig. Seine Veröffentlichungen erstrecken sich nicht nur auf die Entomologie, sondern auch auf Geologie, Geschichte und Biologie der heimatlichen Landschaften. Er verfolgte ständig das Ziel, die Bevölkerung über den Naturschutz aufzuklären. Seine Veröffentlichungen erschienen in den Zeitungen "Das Volk", "Thüringer Tageblatt" und in der "Mühlhäuser Warte". Auch in dem vom Rat des Kreises Heiligenstadt herausgegebenen "Heimatbuch des Eichsfeldes" ist er als Autor vertreten.
In jahrelanger Arbeit hat er eine urkundlich belegte Chronik der Gemeinde Lengenfeld unterm Stein und der Burg Stein, die die Zeitspanne bis zum Jahr 1815 umfasst, geschrieben.
Als im Jahre 1948 in dem hiesigen Schloss Bischofstein ein FDGB-Erholungsheim eingerichtet wurde, hielt Herr Rummel für die Feriengäste ständig wissenschaftliche und heimatkundliche Vorträge und übernahm ehrenamtlich die Führung durch interessante Gebiete unserer herrlichen Heimat. Außerdem hat er dem Erholungsheim zwei von ihm entworfene Querschnitte durch das Erosionstal der "Frieda" und durch den Keupergraben bei Hildebrandshausen gestiftet.
Vor 1945 war Herr Rummel bereits zehn Jahre lang Mitglied des Vereins für Naturschutz und Denkmalpflege.
1950 wurde er von der Landesstelle für Vor- und Frühgeschichte als ehrenamtlicher Fundpfleger für den Bereich Lengenfeld unterm Stein und Umgebung gewonnen und eingesetzt.
Sein Verdienst ist es, dass im Jahre 1955 bei einem Neubau Abdrücke im Kornedsandstein als Fußabdrücke von Vorläufern der Dinosaurier erkannt und sichergestellt werden konnten. Es waren die die ersten Funde dieser Art auf dem Eichsfelde.
Außer dieser Tätigkeit arbeitete Herr Rummel bis kurz vor seinem Ableben trotz seines hohen Alters noch als phänologischer Beobachter für den meteorologischen Dienst.
Bei der Gründung der Ortsgruppe des Kulturbundes in Lengenfeld unterm Stein übernahm Herr Rummel aufgrund des Vertrauens der Mitglieder den Vorsitz.
Für seine großen Dienste im kulturellen Aufbau wurde er 1956 und 1957 mit der Aufbaunadel in Gold ausgezeichnet.
Seine Sammlungen und wissenschaftlichen Forschungsergebnisse stellte er ständig der Gesellschaft zur Verfügung; er sorgte für die Belehrung der Bevölkerung.
Den Großteil seiner Schmetterlingssammlung hat Herr Rummel 1960 dem Heimatmuseum seiner Geburtsstadt Worbis geschenkt.
Am 7. Dezember 1961 verschied der Natur- und Heimatforscher Lambert Rummel im Alter von 84 Jahren. Lengenfeld unterm Stein hat damit eine hervorragende Persönlichkeit verloren.
Sein Wirken und Schaffen galt der Heimat und den Menschen, die dort wohnen. Bei all seinem Forschen, sei es auf dem Gebiet der Biologie oder der Geschichte, stellte er stets den Gottesglauben obenan. Als ich seine Chronik für mich persönlich nochmals abschrieb, trug er in dieselbe folgende Widmung ein:
"Hier siehst du im Wandel der Zeiten,
Geschlechter und Reiche
kommen und gehen.
Beständig ist Gott nur
mit seinem Werkzeug Natur."
Gewidmet vom Verfasser
Lambert Rummel
Auf seinem Grabstein steht die für ihn im wahrsten Sinne zutreffende Inschrift:
"Dem ist die
Heimaterde leicht,
der sie geliebt wie du"
Walther Fuchs
Auswahl seiner Werke:
- „Chronik Lengenfelds und Bischofstein bis 1815“
- verschiedene Einzelausarbeitungen zu Gebäuden und historischen Sachverhalten
- erste vollständige Beschreibung der Grenzregulierungskarte aus dem Jahre 1583
- Theaterstück „Zweierlei Maß“ (mehrmalige Aufführung und Verfilmung)
Anmerkung: Im November 2003 wurde die Gedenktafel zu Ehren Lambert Rummels wieder vor seinem einstigen Wohnhaus in der Hauptstraße angebracht.


