Gedichte von Heinrich Richwien

Die vergessene Quelle
von: Heinrich Richwien

Am Rande des Hansteins, nur wenig bekannt,
Entspringt eine Quelle, unten am Hang.
Das sprudelnde Wasser hell und klar,
In vergangenen Zeiten schon Heilquelle war.

Seit uralten Zeiten fließt die Quelle am Hang,
Noch hat sie die Stadt zum Stein gekannt.
Sah Geschlechter kommen und wieder vergeh’n,
Und im Wechsel der Zeiten das Dorf entsteh’n.

Ein Flüstern und Raunen, bei der Quelle am Hang,
Von Zeiten und Menschen im heimischen Land,
Von Burgen und Schlössern auf schwindelnder Höh,
Und von Hütten im Tale, von Leiden und Weh.

Aus dichten Wäldern von Buchen und Eichen
Sah sie den Luchs, die Beute umschleichen.
Hörte den Uhu, den König der Nacht,
Wenn er im Walde hat Beute gemacht.

Jagten die Jäger in Flur und Wald,
Blies an der Quelle das Jagdhorn Halt.
Im Schatten der Eichen machten sie Rast
Und tranken der Quelle köstliches Nass.

Die Tochter des Köhlers, die blonde Burgunde,
Holte das Wasser am felsigen Grunde,
Der durstende Landmann, in sonniger Glut
Trank an der Quelle die kühlende Flut

Verschwunden sind Ritter und Köhlerburgunde,
Doch geben die Berge und Felsen noch Kunde.
Wie geschätzt war als Kleinod die Quelle am Ried,
Davon singen die alten Eiben ein Lied.

Nur wenige im Dorf die Stelle noch kennen,
Wo noch fließt die beste der heimischen Quellen.
Die Alten haben sie besser gekannt,
Und haben sie einfach den Pforzborn genannt.

Erscheinungsdatum: unbekannt